Anspruch und Wirklichkeit – Die Netzwerke der B.A. Rock/ Bernd Schweinar

Vor kurzem veröffentlichte die Neue Musikzeitung – eine Zeitung, die sich zweiwöchentlich weitgehend an Musikpädagogen, Musiker der Klassik und Kulturfunktionäre wendet – den Bericht eines „real existierenden“ Rockintendanten in Bayern (B. Schweinar), in dem dieser die zukünftige Nationalstiftung der Bundesrepublik Deutschland unmissverständlich dazu auffordert, in den kommenden Jahren ein Förderprogramm für die Rock- und Popmusik(er) mit jährlich etwas mehr als 1 Mio. Euro an Fördermitteln für die Infrastrukturen (aus eben dieser Nationalstiftung) und 0,5 Mio. Risiko-Finanzierung für die Spitzenförderung (aus dem Wirtschaftsministerium) zu bewilligen.

Mit diesen Mitteln sollen – so B. Schweinar – 6 Netzwerkknoten – analog den erfolgreichen Modellen z.B. in Baden-Württemberg und Bayern – in Deutschland nach geographischen Kriterien verteilt (einer für ein Frauenmusiknetzwerk!) ausgestattet werden, und zwar pro Projektknoten mit rund 125.000,- Euro im Jahr.
Jeder dieser Netzwerkknoten soll am Beispiel der aus Schweinars Sicht erfolgreichen Rockstiftung Baden-Württemberg mit ca. 2,5 Personalstellen und der Grundperipherie finanziert werden. Direkte Projektkosten für publikumsrelevante Events und sonstige Projektmittel sollen sich diese zukünftigen Netzwerkknoten aus der freien Wirtschaft holen!

Übersetzt heißt dies, dass zukünftig eingeforderte Fördermittel in Höhe von 0,75 Mio. Euro ausschließlich für die Bezahlung von Personalstellen(!) sowie die „Grundperipherie“ (gemeint sind hier z. B. Büroausstattungen) der 6 Netzwerkknoten eingesetzt werden sollen. Weiter führt B. Schweinar aus, dass eine zukünftige zentrale Bundesförderung im so genannten „Outsourcing-Verfahren“ der „Schlüssel“ zu einer kostensparenden Dienstleistung für das gesamte Bundesgebiet werden kann, indem Dienstleistungen hier an bestehende Netzwerkknoten als Projektaufträge delegiert werden. Dazu, so Schweinar, zählt auch die umfangreiche Dienstleistung des permanenten Informations- und Beratungsangebots (Online plus Telefon-Hotline) für Bands, Veranstalter, Labels und Behörden, die redaktionelle Recherche und die Aufbereitung fundierter Informationen ein, so Schweinar, „überaus personalintensiver Bereich“, der trotzdem mit rund 150.000 Euro pro Jahr realisierbar ist. Ein weiteres Ziel dieser zukünftigen „Netzwerke“ wäre die Heranziehung ambitionierter Bands an den Musikmarkt und die Medien, Bandprojekte für Coaching-Verfahren, ein nationales Bandcamp, geplant von Udo Dahmen/Hamburg als Spitzenförderung, indem zum Beispiel fünf Bandcamp-Interpreten mit einem „Minimal-Etat“ für Produktion und Promotion in Höhe von je 100.000,- Euro finanziert würde sowie eine bundesweite Förderung von Musikclubs mit einem Gesamtetat von 150.000,- Euro. Summa summarum käme B. Schweinars Fördervorhaben für die Rock- und Popmusik(er) in Deutschland auf Fördermittel von jährlich etwas mehr als 1 Mio. Euro von der geplanten Nationalstiftung und 0,5 Mio. Risiko-Finanzierung für die Spitzenförderung womöglich aus dem Wirtschaftsministerium. Der „Bayerische Rockintendant“ B. Schweinar skizzierte hier in diesem Artikel ein Kulturförderungsszenario, dass es so bisher in keinem kulturellen Förderbereich bei den bisherigen Fördermodellen der Bundesregierungen gegeben hat. In aller Deutlichkeit stellt Herr B. Schweinar dar, dass die überwiegenden zukünftigen Bundesfördermittel für Personalkosten und Grundperipherie/Bürokosten der sechs Netzwerkknotenpunkte ausgegeben werden sollen, um flächendeckend in ganz Deutschland den Bands und Interpreten Dienstleistungsangebote wie Informations- und Beratungsangebote (Online plus Telefon-Hotline) für Bands, Veranstalter, Labels und Behörden zu ermöglichen. (0,75 Mio. Finanzierung, 6 Netzwerkknotenpunkte, 150.000,- Euro Music & Businessworkshop/ Qualifizierungs /Informationstransfer, Euro 150.000,- Clubförderung, ca. Euro 0,5 Mio. Bandcampförderung. Summa summarum: 1,55 Mio. Euro. ) Um seinen Forderungen mehr Gewicht zu verleihen, veranstaltete der „Rockintendant“ B. Schweinar vom 16. bis zum 18. November in der Stadthalle Germering die 3. Popkonferenz für Public Private Partnership als Forum für Kulturpolitik und Jugendmarketing (Veranstalter B. A. Rock e.V., ABMI (Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikerinitiativen/Rockbüro Süd und als „stiller Teilhaber“, der Deutsche Musikrat). Auf dieser Popkonferenz, an der der Deutsche Rock- und Popmusikerverband mit verschiedenen Mitgliedern teilnahm, wurde den Vertretern der staatlichen Institutionen unmissverständlich klar gemacht, dass eine derartig von ihm proklamierte Popförderung unerlässlich ist. Eingeladen zu diesem Popkongress wurden sage und schreibe 11.000 Markenartikler, PR-Agenturen, Kultur- und Wirtschaftspolitiker von Bund und Ländern, Kulturämtern, Plattenfirmen, Veranstaltern, Szenenetzwerken u.a.m. (So der Schlusssatz seines Berichtes).

Und hier fängt die kritische Analyse dieser Zukunftsperspektiven bzw. der Anspruch und die Wirklichkeit des „Bayerischen Rockintendanten“ B. Schweinars an: Von den 11.000 eingeladenen Gästen für die 3. Popkonferenz nahmen max. ganze 150 Besucher teil (davon ca. 30 allein aus B. A. Rock Kreisen), wobei die Einzelveranstaltungen mit jeweils 70 – 90 Teilnehmern besetzt waren. Unter ihnen der Bundesbeauftragte für Angelegenheiten der Kultur und Medien, Prof. Dr. Julian Nieda-Rümelin, der unmissverständlich und in aller Deutlichkeit den Forderungen Schweinars entgegenstellte, dass: 1. Der Bund für Bildung keinerlei Kompetenz besitzt, also nicht gewillt ist, für Bildungsprojekte oder ähnliches, Fördergelder auszugeben (da dies Ländersache sei). 2. Der Bund grundsätzlich nicht gewillt ist, „Einrichtungen“ wie Büros und Personal von Netzwerkknotenpunkten und Dienstleistungen zu finanzieren. 3. Der Bund grundsätzlich nicht Jugendkultur fördert. 4. Dass „jede Mark, die zukünftig investiert werden soll, woanders weggenommen werden muss“. Stattdessen, so Prof. Julian Rümelin, soll die zukünftige Kulturstiftung der Bundesrepublik Deutschland besonderen Aspekt auf Kunst- und Kultur-Förderung dort legen, wo die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Rock- und Popmusik gefördert wird und bei bundesweiten Fördervorhaben, die von bundesweiter und bundeskulturpolitischer Bedeutung sind. Dem pflichtete Dr. Dirk Hewig vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst bei, indem er klarstellte, dass die Aufgabe zur Förderung der Rock- und Popmusik(er) primär bei den einzelnen Bundesländern liegt. T. Haag vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sprach sich während der Podiumsdiskussion sogar unmissverständlich gegen den Aufbau von Netzwerkstrukturen im Rock & Popbereich aus. (Protokoll) (An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass zwar eine Vielzahl von Podiumsdiskussionsteilnehmern Kommentare abgaben, ich mich in diesem Bericht aber auf die wesentlichen und wenigen Kernaussagen/Argumente und Gegenargumente zu B. Schweinars Artikel beschränken will). Und wie steht nun der Deutsche Rock- und Popmusikerverband diesen Forderungen gegenüber? Seit nunmehr 20 Jahren kontinuierlicher Entwicklung hat sich dieser Verband zu einem Bundesverband der MusikerInnen, Musikurheber und Musikerinitiativen mit über 5.000 Mitgliedern aus meistenteils semiprofessionellen und professionellen Musikerinnen und Musikern entwickelt. Leistungsangebote, wie umfassende Informationen, Beratung und hier vor allen Dingen Rechtsberatung mit der so wichtigen Vertragsberatung und die so genannten von B. Schweinar proklamierten „Grundperipheriekosten“ finanziert dieser Verband für seine ca. 40.000 repräsentierten Mitglieder zu 80 % allein durch Mitgliederbeiträge. Der „Bayerische Rockintendant“ B. Schweinar fordert hingegen als 1. Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Rock, dass die B.A. Rock Geschäftsstelle und die diesem Verband untergliederten Landesarbeitsgemeinschaften Rock (LAG’s Rock) die sich alle mangels Mitgliederbeiträge nicht selber aus Mitgliederbeiträgen (sondern weitgehend aus Landesmitteln) finanzieren können, durch den Staat und hier im Speziellen durch die neue Bundesstiftung als „Netzwerkknotenpunkte“ finanziert werden sollen. Hier stellt sich in aller Eindeutigkeit die Frage, warum der Bund etwas finanzieren sollte, was es längst gibt: So die von B. Schweinar eingeforderten umfangreichen Dienstleistungen eines permanenten Informations- und Beratungsangebotes (Online plus Telefon-Hotline) für Bands, Veranstalter, Labels, Behörden, die redaktionelle Recherche und Aufbereitung fundierter Informationen. Diese Angebote gibt es seit langem beim Deutschen Rock & Pop Musikerverband e. V.! Warum sollte der Bund zudem so genannte Netzwerkknotenpunkte bzw. in Wirklichkeit Landesarbeitsgemeinschaften u.ä. der Bundesarbeitsgemeinschaft Rock finanzieren, wo es sich doch hier eindeutig um Ländereinrichtungen handelt? Auch hier stellt sich die Frage von Anspruch und Wirklichkeit! Struktur der B. A. Rock Wer ist nun die Bundesarbeitsgemeinschaft Rock? Sie wird im Wesentlichen getragen durch die ihr untergliederten Landesarbeitsgemeinschaften. Die BA Rock begreift sich als Spitze eines „Stammbaums“, also als Dachverband der darunter befindlichen Landesverbände wie beispielsweise die L.A.R.I. e.V. in Baden-Württemberg, dem Brandenburgischen Rockmusikerverband e.V., der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen (ABMI), der LAG Rock in Niedersachsen, NRW und Rheinland-Pfalz. Des Weiteren findet sich unter dem Dach der B. A. Rock das so genannte „Frauenreferat“, welches wiederum regional durch Initiativen, wie z. B. Ohura aus Bayern (ein ABMI Projekt mit ABM – Kräften) oder dem FM:Z (Frauenmusikzentrum Hannover) vertreten wird. Die Finanzierung der B.A. Rock wird über eine so genannte Mischfinanzierung abgewickelt, genannt PPP (Privat Public Partnership). Öffentliche Mittel und Sponsorgelder aus der Wirtschaft sichern den Fortbestand und die Wirkung der B.A. Rock. In verschiedenen Publikationen wird zudem darauf hingewiesen, dass dieser Verband bundesweit ca. 16.000 Mitglieder verträte. Wahlen in den Bundesvorstand finden regelmäßig in einem überschaubaren kleinen Kreis statt. So weit zur Darstellung der B.A. Rock, deren erster Vorsitzender B. Schweinar voranbeschriebene Forderungen aufstellte.

Auf der 3. Popkonferenz in Germering beklagte der Geschäftsführer der B.A. Rock Lothar Surey, dass sich die Mitgliedereinnahmen der B.A. Rock auf lediglich jährlich Euro 4.000,- beschränkten – eine Zahl, die in einem grotesken Missverhältnis zu den vorgenannten Mitgliederzahlen steht. Man mache sich an dieser Stelle einmal klar, dass hier ein Verband behauptet, über die ihm untergliederten Landesverbände ca. 16.000 Mitglieder zu vertreten. Wenn man dann aber in die Vereinskasse dieses Verbandes schaut, dann verfügt dieser Verein nur über ein verschwindend geringes Mitgliederaufkommen in Höhe von Euro 4.000,- (pro LAG 500,- Euro Mitgliederjahresbeitrag?) und man stellt sich unwillkürlich die Frage, warum es zu diesem Missverhältnis zwischen propagierten Mitgliederzahlen und Mitgliederbeiträgen kommt. (Dem Deutschen Rock- und Popmusikerverband gehören offiziell über 5.000 Mitglieder an. Dieser Verband weist jährlich in seiner öffentlichen Jahresbilanz Mitgliedereinnahmen in Höhe von ca. 290.000,- Euro aus. (Weitere ca. 85.000,- Euro an Mitgliederbeiträgen müssen nach und nach per Mahnverfahren eingeholt oder auf sie verzichtet werden.) Dieses enorme Mitgliederbeitragsaufkommen dieses Verbandes spiegelt die wahrheitsgetreuen Angaben über die tatsächlichen Mitgliederzahlen objektiv wieder). Vor diesem Hintergrund von Anspruch und Wirklichkeit der B.A. Rock bzw. seines ersten Vorsitzenden B. Schweinars, hielt es der Deutsche Rock- und Popmusikerverband für angemessen, eine genaue Recherche zu erarbeiten mit dem Ziel, zu ermitteln, warum ein Bundesverband, der vorgibt, über derart viele Mitglieder zu verfügen, über ein so geringes Mitgliederbeitragsaufkommen in seiner Jahresbilanz verfügt und vor allen Dingen, warum dieser Verband vorgibt, derart viele Rock- und PopmusikerInnen in Deutschland zu vertreten. Im Frühjahr 2001 meldete sich beim DRMV der Jurist und engagierte Musiker, Komponist und Texter Karsten Runge aus Hamburg mit der Idee und dem Anliegen, ein Musikinitiativen-Register im Sinne einer Dokumentation der bundesweit agierenden Musikerinitiativen und -organisationen zu erarbeiten mit dem Ziel, diese interessierten Musikern und den Landes- und Bundesbehörden (über einen finanzierenden Verlag) vorzulegen. (Runge hatte bis zu diesem Zeitpunkt schon umfangreiche Recherchen vorgenommen) Da sich auch der DRMV seit langem für eine transparente und für alle einsichtbare objektive! Strukturanalyse der Musikszene in Deutschland ausspricht, übergab der DRMV diesem Kulturjournalisten sämtliche Adressmaterialen aller ihm bekannten Musikerinitiativen, um die Recherchen zu erleichtern. Kurz: Karsten Runge erarbeitete eine Strukturanalyse zahlreicher Musikerinitiativen in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und anderen Bundesländern. Er versandte an ca. 200 Musikerinitiativen in ganz Deutschland Fragebögen. Sofern – was häufig der Fall war – die publizierten Kontaktadressen und -personen nicht mehr aktuell und die Vereine insoweit nicht auffindbar waren, besorgte er sich von den zuständigen Amtsgerichten Vereinsregisterauszüge. Eine weitere wichtige Erkenntnisquelle war nicht zuletzt das Internet, wo sich viele Musikinitiativen mit eigenen Homepages präsentieren und K. Runge stellte damit wohl eine der umfassendsten Dokumentationen über Musikverbände, Landesarbeitsgemeinschaften und Musikerinitiativen zusammen. Diese Dokumentation ergab zuerst einmal, dass über 100 Musik- und Musikerinitiativen in Deutschland, die der Verband B. A. Rock über seine untergliederten Landesarbeitsgemeinschaften vorgibt zu vertreten, zwar meistenteils noch in den Vereinsregistern existieren, dass aber ca. 60 % dieser als Mitglieder ausgewiesenen Initiativen längst ihre Aktivitäten eingestellt, ihre Vereinstätigkeit aufgegeben haben oder gar keine Musiker – oder Musikinitiativen im Sinne eines Zusammenschlusses von Musikschaffenden sind. Beginnen wir mit der Vorstandsstruktur der B.A. Rock: 1. Vorsitzender Bernd Schweinar („Bayerischer Rockintendant“/Geschäftsführer von ABMI, Digital Musik GmbH). B. Schweinar kommt aus Teugn bei Regensburg und war/ist dort seit 1987 Vorsitzender des Musikerinformationsvereins Regensburg e.V. 1992 gründete er mit 7 anderen bayerischen Musik- und Musikerinitiativen die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen (ABMI) und wurde dort, also jetzt vor 11 Jahren, zum Geschäftsführer gewählt bzw. vom Vorstand eingesetzt. (Anspruch und Wirklichkeit? Den Titel „Bayerischer Rockintendant“ legte sich der kaufmännische Angestellte B. Schweinar 1992 selbst zu. Eine Nachfrage beim Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst ergab, dass es eine derartig offizielle Titelauszeichnung Schweinars durch dieses zuständige Ministerium nicht gegeben hat.) Seine Stelle als Geschäftsführer von ABMI wird finanziert durch Fördergelder eben dieses Ministeriums. 2. Vorsitzender ist Holger Maack, derzeit Geschäftsführer des von ihm gegründeten Musikzentrums Hannover GmbH. Sein Gehalt wird finanziert aus kommunalen Fördermitteln der Stadt Hannover (für das Musikzentrum.) Weitere Vorstandsmitglieder: Dirk Metzger, Geschäftsführer Rockstiftung Baden-Württemberg. Sein Gehalt wird finanziert zum Teil durch das Land Baden-Württemberg und zum Teil durch den Süd-West-Funk, die der Rockstiftung Mittel zu führen. Weitere Vorstandsmitglieder sind Stefanie Thomczyk (ehem. Denger), bisher auch Geschäftsführerin der Frauenmusikinitiative „rockSie!“, eine Einrichtung der Kulturkooperative NRW sowie Sibylle Thomzik, ehemals Mitarbeiterin bei „rockSie“. Geschäftsführer ist Lothar Surey. Sein Gehalt finanziert sich durch die verschiedensten Finanzierungs- und Fördermittel aus Sound-Foundation, Kulturstiftung der Länder, Deutsche Phonoakademie, VIVA und neuerdings jetzt auch durch Landesmittel NRW. Auch die Gehälter der Vorstandsmitglieder Sibylle Thomzek sowie Stefanie Denger wurden bisher aus diesen Gesamtfördermitteln finanziert. Festgestellt werden kann, dass sämtliche Vorstandsmitglieder der B.A. Rock weitgehend ihre Gehälter aus staatlichen Zuwendungen und nicht aus Musiker/ Mitgliederbeiträgen erhalten, und sich zudem in den letzten 10 Jahren nicht den Musikerinnen und Musikern in Deutschland zur Wahl gestellt bzw. in demokratischen Wahlen haben klären lassen, ob sie und ihre Arbeit von den Musikerinnen und Musikern gewünscht werden. Vielmehr haben sie es vorgezogen, sich zum Teil gut dotierte Posten als Geschäftsführer zuzulegen bzw. andienen zu lassen.

Im Vergleich: Der DRMV Bundesvorstand stellt sich geschlossen alle drei Jahre in einer bundesweiten basisdemokratischen Urwahl (Briefwahl plus Mitgliederversammlung) den Musikerinnen und Musikern in Deutschland zur Wahl. Die Geschäftsstelle des Deutschen Rock- und Popmusikerverbandes sowie seine drei festen Mitarbeiter, seine vier Lehrlinge und seine 4 freien Mitarbeiter werden zu 80 % aus Mitgliederbeiträgen der DRMV-Mitglieder – eben der Rock & Popmusiker in Deutschland – finanziert. Die Landesarbeitsgemeinschaften der B. A. Rock I Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen (ABMI) Im Internet und anderen Publikationen werden 45 Musiker- und Musikinitiativen in ganz Bayern als ABMI-Mitglieder ausgewiesen. Diese gliedern sich in 7 Bezirksvereine (IG Rocks) auf, die keinen eigenständigen Mitgliederstamm haben, also „hausgemacht“ sind. Rechnet man noch das Frauenmusikprojekt OHURA dazu, ergibt sich die auf den ersten Blick imposante Zahl von 53 angeschlossenen Organisationen, die aber nur zu einem Teil Musikerinitiativen sind. Von diesen heute noch im Internet und in den Publikationen vorgestellten Initiativen haben sich 5 Initiativen nach eigenen Angaben aufgelöst! Bei 6 Initiativen sind nach eigenen Angaben keine Rock- und Popmusiker beteiligt. Weitere 7 Initiativen gaben an, dass sie nur über einen sehr geringen Musikeranteil unter ihren Mitgliedern verfügen. Bei 3 Initiativen gab es keinen Eintrag im Vereinsregister und die Mitgliederzahl rangiert nach eigenen Angaben unter 10, was zusammengefasst soviel heißt, dass von insgesamt 45 offiziellen bei ABMI als Mitglieder deklarierten Musikervereinen nur 24 als tatsächliche Musikerinitiativen bezeichnet werden können, die nach eigenen Angaben über eine nennenswerte Mitgliederzahl von Rock- und PopmusikerInnen verfügen. Um es hier noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Diese Angaben wurden von den angeschriebenen Initiativen selbst erteilt bzw. in nachträglichen Telefongesprächen zwischen ihnen und den Autoren bestätigt. Viele der übrig gebliebenen Initiativen nannten Mitgliederzahlen, die in einem etwas ungewöhnlichen Verhältnis zu ihrem kleinen Ort bzw. ihrer kleinen Gemeinde stehen. Zumeist handelt es sich um Vereine winziger Gemeinden, bei denen zwischen 100 und 250 (zahlende?) Rock- und PopmusikerInnen angegeben wurden (Treuchtlingen 150, Herzogenaurach 100, Neumarkt/Sengental 250(!), Hassberge 108, Hammelburg 220(!) Keine dieser angeblich so mitgliedsstarken Initiativen kam der Aufforderung des Fragebogens nach, Musikgruppen namentlich zu benennen, sprich eine Bandliste oder Infos beizufügen! etc.) (Der Autor hat es bis heute unterlassen, diese ungewöhnlich hoch ausfallenden Eigenangaben einer genaueren Überprüfung zu unterziehen). Anspruch und Wirklichkeit? Die Ortsinitiative des „Bayerischen Rockintendanten“ B. Schweinar in Regensburg, der Musikerinformationsverein Regensburg e.V. weist im Vereinsregister B. Schweinar als ersten Vorsitzenden aus. Letzter Eintrag: 25. Mai 1987! Seit dem wurde kein Eintrag mehr vorgenommen. Für mit Vereinsangelegenheiten vertrauten Personen heißt dies, dass ein Verein, der seit sage und schreibe 15 Jahren keinen neuen Eintrag im Vereinsregister mehr vorweisen kann, praktisch keine wirklichen beschlussfähigen Mitgliederversammlungen mehr durchführt, denn ein aktives Vereinsleben spiegelt sich immer in den Registereintragungen neuer Vorstände und Satzungsänderungen etc. wider. II LAG Rock Niedersachsen Diese Landesarbeitsgemeinschaft gibt im Internet in ihrer „Homepage für Musiker für Niedersachsen“ an, dass sie über ca. 26 Mitgliederinitiativen/Vereine etc. verfügt. Nach Dokumentation und Analyse des Autoren Karsten Runge stellte sich folgendes Ergebnis heraus: 3 der vorgestellten Initiativen haben sich nach eigenen Angaben längst aufgelöst. Bei 8 der angegebenen Mitglieder handelt es sich nicht um Initiativen, sondern seltsamerweise um Jugendämter/Kommunen (ohne Mitglieder). 3 Initiativen haben nach eigenen Angaben unter 10 Mitglieder. Bei 1 Initiativen handelt es sich um eine GmbH ohne Vereinsmitglieder. Lediglich 10 der 26 angegebenen Musikerinitiativen kann man nach eigenen Angaben als Initiativen mit nennenswerten Mitgliedern ansehen. Darunter dann allerdings auch Musikerinitiativen mit ungewöhnlichen Profilen wie eine Initiative, die im Vereinsregistervorstand durchweg Jugendpfleger einer Stadt ausweisen. (Dies ergab die Homepage des Jugendamtes, auf der alle Mitarbeiter aufgelistet sind.) Dort sollen 155 Mitglieder vertreten sein, und das, obwohl es sich nur um einen kleinen Ort handelt. Bei einer anderen Initiative, die angab, über 120 Mitglieder zu verfügen, versammelten sich dann auf der jährlichen Mitgliederversammlung in 2001 lediglich 5 Personen, (die fast alle aus einer Band stammten) und den dortigen Vereinsraum gleichzeitig als ihren Übungsraum deklariert hatten. Und: der Vorstand ist im Vereinsregister in den letzten 6 Jahren nicht eingetragen worden.(Stand mitte 2001) Juristisch haftbar wäre hier immer noch der alte Vorstand, der längst nicht mehr als Vereinsvorstand existiert. Auch hier bei der LAG Rock Niedersachsen zeigt sich der enorme Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit in der angegebenen Mitgliederzahl und der daraus resultierenden repräsentierten Rock- und PopmusikerInnen. Frage: Was bliebe bei einer objektiven Überprüfung der übrig gebliebenen und nach eigenen Angaben mitgliederstarken Musikerinitiativen tatsächlich an Mitgliederzahlen übrig? III LAG Baden-Württemberg (Lari) Auch die „Lari“ repräsentiert sich durch ihren Vorsitzenden Michael Rauch (Pforzheim) im Internet und in Publikationen als mitgliederstarke Vereinigung von 17 Musikerinitiativen. Die Dokumentation des Autoren K. Runge ergab, dass von diesen 17 Initiativen sich inzwischen 3 nach eigenen Angaben vollständig aufgelöst haben und 4 nicht mehr aktiv bzw. in Auflösung begriffen sind, 1 Projekt im Haus der Jugend als Initiative beendet worden sei, 1 Initiative als Kulturverein ohne Musikerbeteiligung existiert, 3 Vereine nicht gewillt waren, Angaben zu geben und 4 Initiativen als aktive Vereine tatsächlich noch existieren. Eine Zweitrecherche, die sehr viel persönlicher und individueller von Verein zu Verein ausgeführt wurde, ergab letztlich, dass von den 17 aufgeführten Vereinen nur noch 3 Initiativen tatsächlich existieren, sich der Rest dagegen aufgelöst hat, bzw. in Auflösung begriffen ist. (Die außergewöhnlichste Initiative im Rahmen dieser Recherche war sicherlich die, die sich im Internet mit 250 Mitgliedern als Dachverband für Rock- und Popmusiker in der Region als eine der größten nichtkommerziellen Musikorganisationen in Baden-Württemberg darstellte und es sich nach der Zweitrecherche dann herausstellte, dass es diesen Verein aktiv nicht mehr gibt, weil der neugewählte erste Vorsitzende nicht nur für jeden, sondern auch für seine Vorgänger im Vorsitz unerreichbar entschwunden ist.

Um auch hier klar zu stellen: Jede einzelne Initiative wurde nicht nur angeschrieben, sondern von zwei verschiedenen unabhängigen Personen telefonisch intensiv und in wochenlanger Recherche befragt. Diese Recherchen wurden schriftlich in einer umfangreichen Dokumentation niedergelegt. Frage an die „Lari“: Wie ist es möglich, dass dieser Landesdachverband und in Verantwortung Michael Rauch nach außen hin eine derartige Vereinsmitgliederzahl vortäuscht und in Wirklichkeit nur noch über einen Rumpfverband ohne nennenswerte Mitglieder verfügt? (Das Vereinsrecht schreibt vor, dass ein Verein, d. h. auch ein Landesverband wie die „Lari“, mindestens 7 Mitglieder nach Eintrag im Vereinsregister vorweisen muss). Stichwort Vereinsregister Der Vereinsregisterauszug der Musikerinitiative Pforzheim und Enzkreis e.V., deren Vorsitzender Michael Rauch gleichzeitig die Lari seit ca. einem Jahrzehnt leitet, weist seit 1983/84 die Vorstandsmitglieder Michael Rauch, Armin Bischof und nachfolgend Stefan Reinert (1984) als zweiten Vorsitzenden aus. D.h. seit 1984 wurde im Vereinsregister dieser Musikerinitiative kein Eintrag mehr vorgenommen und das, obwohl längst auf den Internetseiten des M. Rauch ein neuer Vorstand aus neuen Personen besteht (Harry Klenk, Jörg Schneider etc. etc.). Lediglich Michael Rauch ist seit 1983 bis heute Vorsitzender dieses Vereins geblieben. Gesamtresultat „Lari“: Was würde wohl eine genauere Überprüfung der Musikerinitiative Pforzheim und Enzkreis e.V./Michael Rauch sowie der beiden anderen übrig gebliebenen Initiativen vor dem Hintergrund dieser enormen Zahl von Falschangaben in den offiziellen Verlautbarungen der „Lari“ (Internet und Info) ergeben? Im Falle seiner Musikerinitiative Pforzheim heißt dies, dass im Außenverhältnis immer noch die alten 1984 gewählten Vorstandsmitglieder haftbar sind und die neuen in allen Geschäftsangelegenheiten keine Bedeutung haben. Warum hat M. Rauch die Registereinträge nicht wahrheitsgemäß aktualisiert? Warum gibt er im Internet zahlreiche Musikerinitiativen als Mitglieder an, ob wohl sie nachweislich nicht mehr existieren? IV LAG Rock und Pop e.V. Rheinland-Pfalz/Nordrhein-Westfalen/Brandenburg Die LAG Rock und Pop e.V. Rheinland-Pfalz führt in ihren Publikationen lediglich zwei Initiativen an (Lahnstein, Koblenz). Die LAG NRW befindet sich nach Insider-Angaben einer Person, die es wissen muss, in permanenter Agonie und wird jetzt erst wieder durch die Arbeit des Aachener Musikbunker e.V. wiederbelebt und die Brandenburger Rockinitiative e. V. besteht in der Praxis lediglich aus einem Verein mit einem sehr kleinen Kreis von Mitgliedern und staatlich bezahlten Mitarbeitern (Stichwort Landesrockfestivals in Brandenburg). Resultat: Zusammengefasst werden kann vor diesem Hintergrund noch einmal die eingangs formulierte Feststellung, dass eine überaus große Anzahl aller durch die B. A. Rock angegebenen Musikerinitiativen in Wirklichkeit nicht mehr existieren und dass, wenn der verbleibende Rest der Initiativen wirkungsvoll auf den Jahresmitgliederversammlungen, bei denen die Jahresbilanz und damit die Mitgliedsbeitragseinnahmen auf Verlangen vorgelegt werden müssen, ein noch wesentlich geringerer tatsächlicher Mitgliederbestand der Musik- und Musikerinitiativen der „B. A. Rock“ genannt werden müsste. Vor diesem Hintergrund wird dem Leser klar, weshalb der Dachverband B.A. Rock nur über ein derart geringes Beitragsaufkommen seiner untergliederten Mitglieder in Höhe von Euro 4.000,- jährlich vorweisen kann und weshalb dieser Dachverband sich seit Jahren um eine intensive Staatsfinanzierung seiner selbst und seiner LAGs (jetzt genannt Netzwerkknotenpunkte) und damit seiner Personalstellen- und Büroausgaben bemüht. Anspruch und Wirklichkeit? Während sich der Deutsche Rock- und Popmusikerverband weitgehend durch eine tatsächlich vorhandene aktive und zahlende Mitgliederzahl zum überwiegenden Teil institutionell selbst finanziert, steht und fällt die Existenz der B.A. Rock aber auch der vorgeschalteten Landesarbeitsgemeinschaften mit der Zurverfügungstellung von staatlichen Fördermitteln (und Sponsorengelder)! Anspruch und Wirklichkeit? Die psychologisch „intelligente“ Zweitbenennung der LAGs der Bundesarbeitsgemeinschaft Rock in „Netzwerke“ bzw. „Netzwerkknotenpunkte“ zielt nicht unbeabsichtigt daraufhin, staatliche Fördermittel seitens des Bundes für Landesaufgaben zu akquirieren in der Hoffnung, dass der Bund die Umfirmierung der Antragsteller akzeptiert. Frage: Was passierte, wenn die zahlreichen Musiker- und Musikverbände im Deutschen Musikrat auf die Idee kämen, ihre Landesverbände in Netzwerke bzw. Netzwerkknotenpunkte umzubenennen, nur in der Hoffnung, der Bund bzw. die Kulturstiftung der Bundesrepublik Deutschland würden dann zukünftig viel eher geneigt sein, diese Landesverbände mit neuer Firmierung finanziell zu fördern? Eine institutionelle Förderung der Verbände und auch der Musiker- und Musikverbände in Deutschland kann es nicht geben (mit Ausnahme des Deutschen Musikrates). Dies stellte der Staatsminister Prof. Dr. Julian Nieda-Rümelin fest. Hinzufügen wäre an dieser Stelle, dass auch eine intelligent versteckte institutionelle Förderung der Verbände und Initiativen zukünftig ausgeschlossen bleiben sollte, denn es kann nur klar sein, dass alle Vereine und Verbände in Deutschland sich zuerst über ihre tatsächlichen aktiven und zahlenden Mitgliedern selbst finanzieren und „ausweisen“ bzw. legitimieren müssen. Scheinvereine, Scheinverbände und Scheinorganisationen sollten auch als solches behandelt werden, da sonst die aktiv und vorbildlich arbeitenden nachweislich existierenden Musikerinitiativen/Vereine, Landesarbeitsgemeinschaft und Bundesverbände bei den staatlichen Institutionen ungerechtfertigt ins Abseits geraten könnten. (Der Deutsche Rock- und Popmusikerverband erarbeitet jetzt mit einem Expertenteam eine eigene zukunftsweisende Förderkonzeption zur Förderung der Rock- und Popmusik(er) in Deutschland, die vollständig anders aussehen wird, als die Netzwerkfinanzierung der B.A. Rock! Karsten Runge erstellt in der nächsten 12 Monaten das Musikerinitiativen Register, wenn die umfangreichen Recherchen in den restlichen Bundesländern beendet sind. Der DRMV begleitet diese Recherchen durch eigene Umfragen.)

Ole Seelenmeyer

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