Die GEMA – eine ehrenwerte Gesellschaft?

Zu den Fakten: Auf der diesjährigen GEMA-Mitgliederversammlung in München stellte der Vorsitzende Prof. Dr. Kreile den Geschäftsbericht für das Jahr 2000 vor.

Die Gesamterträge der GEMA, einer Inkassogesellschaft der in ihr zusammengeschlossenen Komponisten, Textdichter und Musikverleger, belief sich für 2000 auf 1,567 Milliarden DM. Das Aufkommen aus den Aufführungs- und Senderechten (Livemusik, Rundfunk und TV) belief sich auf 669 Millionen DM. Das aus den Vervielfältigungsrechten auf 555 Millionen DM. Der Rest der Einnahmen resultierte aus Vergütungsansprüchen aus Vermietung und Verleih, Audio, Video und anderen Bereichen. Von diesen Gesamteinnahmen verwandte die GEMA 14,6 % des Inkasso für Verwaltungsaufgaben.

Der GEMA gehörten zum Ende des Jahres 2000 2.740 ordentliche Mitglieder, 5.937 außerordentliche Mitglieder und 47.860 angeschlossene Mitglieder an. Unter den 2.740 ordentlichen Mitgliedern befanden sich zu diesem Zeitpunkt 1.851 Komponisten, 418 Textdichter, 447 Verleger und 24 Rechtsnachfolger. Insgesamt schüttete die GEMA für dieses Jahr 684.506 Millionen Euro an alle Mitglieder aus. Davon erhielten die ordentlichen Mitglieder den Löwenanteil in Höhe von 57,59% (174.383 Millionen Euro), die außerordentlichen Mitglieder erhielten 8,99% (27.215 Millionen Euro), die angeschlossenen Mitglieder 25,78% (78.072 Millionen Euro) und die Rechtsnachfolger 7,64% (23,123 Millionen Euro). Der Rest der genannten Einnahmen wurde an ausländische Urheberinkasso-Organisationen überwiesen bzw. für andere Ausschüttungen verwandt.
(123,283 Millionen Euro gingen an Subverleger in Deutschland für ausländische Werke, 86.383 Millionen Euro an ausländische Inkassoschwesterngesellschaften. 85.560 Millionen Euro wurden von auslän-dischen Inkassogesellschaften an die GEMA zurück überwiesen). Die überaus große Mehrheit aller Mitglieder in der GEMA bilden ohne Zweifel die außerordentlichen und angeschlossenen Mitglieder. Hier handelt es sich um 53.797 Mitglieder, die dieser Inkassoorganisation die treuhänderische Verwaltung ihrer Urheberrechte übertragen haben.

Das Dramatische hinter diesen Zahlen: Diese große Mehrheit aller GEMA-Mitglieder hat in der GEMA praktisch kein Stimmrecht, sie dürfen nicht an den Hauptversammlungen der GEMA teilnehmen und sie dürfen sich auch nicht in den Aufsichtsrat und die Ausschüsse wählen lassen. Ausschließlich die Minderheit von 2.714 ordentlichen GEMA-Mitgliedern hat das aktive und passive Wahlrecht, dürfen also wählen und gewählt werden sowie an den GEMA-Hauptmitgliederversammlungen teilnehmen. Nach Aussagen vieler Fachleute aus der Musikindustrie sind vor allem die zahllosen Rock- und Pop Urheber aus den ca. 50-70.000 (jungen) Rock- und Popmusikgruppen in Deutschland unter denen angeschlossen und außerordentlichen GEMA-Mitgliedern vertreten und haben damit keine Chance, an den Beschlüssen und Entscheidungen der GEMA-Hauptversammlung wirkungsvoll teilzunehmen. Die GEMA gesteht den 53.797 außerordentlichen und angeschlossenen Mitgliedern lediglich zu, von 34 gewählten Delegierten in den Hauptversammlungen vertreten zu werden (davon 10 Rechtsnachfolger, also ältere Personen, die verstorbene Urheber vertreten und 10 Verlagen – bleiben als tatsächlich nur noch 14 Deligierte übrig die sich für die Rock&Pop-Urheber einsetzen können).
Man muss sich das an dieser Stelle einmal in aller Deutlichkeit klar machen: 95%, nämlich 53.797 GEMA-Mitglieder werden praktisch aus allen wesentlichen Entscheidungen der GEMA ausgeschlossen. 5%, nämlich 2.740 ordentliche GEMA-Mitglieder haben das alleinige Bestimmungsrecht und das, obwohl diese 95 % der ausgeschlossenen ca. 35 % aller Erträgnisse der GEMA, nämlich 105.387 Millionen Euro einbringen bzw. erwirtschaften!

Vereinfacht kann vor diesem Hintergrund aller offiziell von der GEMA bekanntgegebenen Fakten und Zahlen nur festgestellt werden, dass das große Heer der jugendlichen Rock- und Popmusikgruppen in Deutschland zwar über das neue „Pro-Verfahren“ in unerträglicher Weise zur Kasse gebeten wird (siehe Bericht in diesen Heft) und einen nur äußerst geringen Teil ihrer Live-Aufführungstantiemen wieder erstattet bekommen, aber praktisch innerhalb der GEMA rechtlos sind. Die Hürde, um ordentliches GEMA-Mitglied zu werden, hat diese Organisation und die sie tra-genden Schlagermusiker und Schlagerverleger sehr intelligent gesetzt: Erst dann, wenn ein außerordentliches GEMA-Mitglied in fünf Jahren ca. 60.000,- DM an Urheberrechtstantiemen – oder in 4 aufeinander fol-genden Jahren mindestens DM 3600.-jährlich von der Gema bezogen hat – kann es ordentliches Mitglied werden.

Frage: Wie denn, wenn das große Heer der Rock- und Popmusikgruppen in Deutschland durch das neue „Pro-Verfahren“ praktisch keine Chance mehr hat, dieses Aufkommen auch nur annähernd zu erwirt-schaften. Die von uns in dieser Zeitschrift aufgeführten Beispiele des Gema Inkassos und der Ausschüttung für live auftretende Rock- und Pop-musikgruppen zeigen präzise, wie diese Inkassomonopol-Organisation mit den zehntausend jungen (aber auch älteren) Rock- & Popmusikgruppen/Urhebern in Deutschland umgeht.

Es ist dringend geboten, die Politiker, die Parteien, aber auch die kulturellen Institutionen dieses Landes auf diese nicht hinnehmbare Situation innerhalb der GEMA aufmerksam zu machen und auf eine Änderung der Gema-Satzung hinzuwirken.

(PS: Dem Deutschen Rock- und Popmusikerverband gehören zum Zeitpunkt dieses Artikels 852 angeschlossene, 171 außerordentliche und 167 ordentliche GEMA-Mitglieder an. Diese Urheber vertreten wir!)

Ole Seelenmeyer

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