Die Historie der Rock- & Popmusik – Teil 3: Johnny Winter – Wintertime Again

Viele Jahre war der WDR die bundesdeutsche Sendeanstalt, die für außergewöhnliche Rock-Konzerte im Fernsehen stand. Die Rockpalast-Nächte und die Open-Air-Konzerte von der Loreley waren für Freunde der Rock­musik quasi Pflichtprogramm und Grund zum Feiern. Zu den absoluten Höhepunkten gehörte für mich Johnny Winters Auftritt in der Essener Grugahalle am 22. April 1979 – ein Gitarrenfest, das laut WDR-Redakteur Peter Rüchel viele Gitarristen darüber hat nachgrübeln lassen, ob sie ihr Instrument abgeben sollten. Und tatsächlich hatte Johnny Winter ab den ersten Tönen seines denkwürdigen Konzertes gezeigt, wie an­spruchsvoll die moderne Rock-Gitarre sein kein. Dabei ließ er keinen Zweifel daran, dass er der Bluesman war, der sich freilich auch auf fetzigen Rock ’n‘ Roll verstand. Angefangen von Freddie Kings Instru­mental-Klassiker „Hideaway“, den Winter über zwölf Minuten lang fantasievoll interpretierte, über eine noch längere, atemberaubende Version des Standards „Suzie Q“ bis hin zum formidablen „Mississippi Blues“ – ein absolut mitreißendes Konzert, über zwei Stunden, mit einer Band, die für mein Empfinden mit die beste war, mit der Johnny Winter je zusammengespielt hatte: Jon Paris (Bass und Mundharmonika) und Bobby Torello (Drums); schade: die offensichtlich total unter Drogen stehende Patti Smith, die mit ihrer zweifelhaften Band vor Johnny Winter aufgetreten war, trötete während seines Konzertes einige Male mit ihrer Klarinette störend ins Mikro­fon.

Dem Rockpalast-Team gebührt hohes Lob, dass es Winters Auftritt heute auf DVD und CD gibt, der lebhafte Beweis, dass Johnny Winter weit mehr war als ein Gitarrist, der nur Kadenzen „hoch und runter“ spielt – ein Monument in der Erin­ne­rung des am 16. Juli 2014 im Alter von 70 Jahren gestorbenen Musikers.

Vor diesem denkwürdigen Auftritt waren meine eigenen Erwartungen und Hoffnungen sehr hoch, denn seit Johnny Winter international berühmt geworden war als außergewöhnlicher Gitarrist, Blueser, Rockstar, Showman und (aufgrund seines Albinismus) nicht zuletzt auch als Freak, hatten sein Leben und seine Karriere schon eine Achter­bahnfahrt infolge seines Umgangs mit Rausch­mitteln durchgemacht. Der Versuch, die Sucht zu be­kämpfen, führte ihn nach dem Aufstieg zum Rock­star wieder zurück zum Bluesman, der in den späteren 1970er-Jahren unter anderem sein Idol Muddy Waters würdig und frisch produzieren sollte. Winter trat mit Waters auch live auf – mit das Beste, was es von Waters gibt. Noch ein Tipp: das ebenfalls von Winter produzierte Album „Whoopin'“ des Blues-Mundharmonika-Spielers Sonny Terry von 1984, mit Winter an der Gitarre.

 

Text: Dr. Norbert Aping | Fotoquelle: www.facebook.com/pages/Johnny-Winter/58833032349

Den kompletten Bericht findet Ihr im MUSIKER-Magazin 03/2015.

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