Jule Neigel Band – 4. Akt …

Viele können sich sicher noch an die Jule Neigel Band in den Achtzigerjahren erinnern. Hits wie „Schatten an der Wand“, „Nie mehr miese Zeiten“ und „Immer auf’m Sprung“ machten diese Musikgruppe Ende der Achtzigerjahre plötzlich bundesweit bekannt. Daraufhin wurde damals eine LP mit neuen Titeln produziert und von der damaligen Schallplattenfirma Intercord veröffentlicht.
Sängerin, Komponistin und Texterin dieser Band war Julia Neigel aus Ludwigshafen, Bassist Frank Schaefer, Keyboarder und begleitender Mitkom­ponist Axel Schwarz, Studio-Keyboarder Harry Schneck und Gitarrist Andreas Schmid.

Damals kam es auf völlig unerklärliche Weise dazu, dass sich der zweite Keyboarder Axel Schwarz bei der GVL bei allen Songs dieser LP als leistungsschutzberechtigter Keyboard-Spieler eintragen ließ, obwohl sämtliche Keyboards der Songs dieser LP im Tonstudio von Keyboarder Harry Schneck eingespielt wurden. Diese Falsch­eintragungen hatten zur Folge, dass sämtliche GVL-Lizenzen für diese Keyboardeinspielungen jahrzehntelang von der GVL an Axel Schwarz aus­­gezahlt wurden. Dem MusikerMagazin liegen mehrere eidesstattliche Erklärungen vor, aus denen unmissverständlich, wie oben beschrieben, der tatsächliche leistungsschutzberechtigte Keyboard-Spieler Harry Schneck hervorgeht. Dieser teilte den Sachverhalt am 20. Juni 2018 der GVL mit: „Betreff: Betrug Leistungsschutz beim Album ,Schatten an der Wand‘… Sehr geehrter Herr Dr. Gerlach, hiermit beantrage ich eine Anhörung im Beschwerdeausschuss, da ich der tatsächliche Keyboarder (Bass, Bläser, Key­boards, Grooveprogramming) das Albums ,Schat­ten an der Wand‘ bin. Herr Axel Schwarz hat meine Position unterschlagen. Ich bekomme jetzt erst die ersten Lizenzausschüttungen seitens der GVL. Beim Titel ,Schatten an der Wand‘ hat Andreas Schmid die Keyboards eingespielt und die Bass-Programme gemacht. Die Bläser habe auch ich eingespielt. Hiermit beschwere ich mich offiziell. Mit freundlichen Grüßen, Harald Schneck.“

Als Band-Leaderin der Jule Neigel Band war Julia Neigel bei den Studioaufnahmen der Key­boards nicht im Studio anwesend und wusste somit auch nicht, das statt Axel Schwarz sein Kollege Harry Schneck die Keyboards eingespielt hatte. Bis 2004 zahlte Julia Neigel außerdem aus alleinigen Künstlerverträgen fälschlicherweise an Axel Schwarz aus Lizenzverkäufen für das Album „Schatten an der Wand“ zusätzliche Lizenzen, da Schwarz ihr gegenüber mithilfe zweier weiterer Musiker seine Mitwirkung an diesem Album glaub­haft gemacht hatte. Er hatte damals genau diese Einnahmen mit der GVL als vermeintlicher Künstler mit Julia Neigel abgerechnet und die GVL hat ihm dafür noch zusätzlich Lizenzen ausbezahlt. Die Auszahlungen an ihn sind genauestens belegbar. Tatsächlich hatte Axel Schwarz im Bereich der Leistungsschutzrechte, d.h. im Instrumental­be­reich, im Studio nur äußerst geringe Fragmente eingespielt. Axel Schwarz war zu keinem Zeit­punkt berechtigt, für die nicht von ihm eingespielten Key­boardparts circa 30 Jahre lang Lizenzen zu kassieren.

Auf dem Cover der Erstveröffentlichung des Albums (bei Intercord) stand Axel Schwarz nicht als Keyboarder bei den Liedern mit drauf. Dazu liegt ein Dokument aus 1988 vor, in dem Axel Schwarz die Plattenfirma anweist, bei neuen LP-Pressungen seine Mitwirkung als Keyboarder bei allen Titeln nachträglich auf das Cover zu setzen. Auf der Wiederveröffentlichung, die im Jahre 1997 entstand, stand Axel Schwarz tatsächlich als Key­boarder. Er hat diese Coveränderung für die Wiederveröffentlichung (bei BMG Ariola) selbst gegenüber der Plattenfirma veranlasst. Dazu liegt ein Schreiben von Axel Schwarz vor, welches an die Plattenfirma BMG Ariola gerichtet war und auf dem er diesen Keyboardvermerk einforderte. Der Produzent des Albums, Ralf Zang, sowie der Co-Produzent und tatsächliche Keyboarder des Albums, Harald Schneck, erhielten beide bisher keinerlei Lizenzen seitens der GVL. Im Jahr 2012 hatte Axel Schwarz bei der GVL für das neue Artsys-System erneut versucht, sich bei diesen zehn Titeln als Keyboarder einzutragen. Im Jahre 2013 versuchte dann der tatsächliche Keyboar­der Harry Schneck, seine Mitwirkung als Key­boarder des Albums im GVL-Online-System zu melden. Und jetzt passierte etwas Ungewöhnli­ches: Im Jahr 2017 reduzierte Axel Schwarz bei der GVL seine Mitwirkung als Keyboarder von zehn Titeln auf nur noch zwei, da ihm die Sache wohl inzwischen zu heiß geworden war. Und in 2018 hatte sich Axel Schwarz dann bei acht Titeln aus den GVL-Listen austragen lassen. Und Schwarz ging noch einen Schritt weiter: Er ließ sich auch bei dem lukrativsten Hit „Schatten an der Wand“, bei dem Harry Schneck das Key­board eingespielt hatte, als Keyboarder austragen. Wer allerdings geglaubt hatte, dass Axel Schwarz die zu Unrecht einkassierten Lizenzen von der GVL und seitens Julia Neigel wegen Ein­sicht an Harry Schneck und Julia Neigel zurückgezahlt habe, hat sich geirrt. Schwarz hatte sich für das gesamte Album „Schatten an der Wand“ ca. 30 Jahre lang der GVL gegenüber zu Unrecht als Mitwirkender ausgegeben und die GVL-Lizen­zen kassiert für eine LP, die damals den Gold­status erlangte.
In der nächsten Folge beschreibe ich die Vor­gehensweise des Axel Schwarz im Bereich Song-Komposition/Urheberrecht/Gema für alle Songs der damaligen Julia Neigel Band.

Text: Ole Seelenmeyer
Foto: © Sdecoret/Fotolia.com

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