Ole Seelenmeyer: Anspruch und Wirklichkeit – Die Netzwerke der B.A. Rock/ Bernd Schweinar

Offener Brief auf ein Rundschreiben in Internet von Bernd Schweinar

Sehr geehrter Herr Schweinar!

1. „Streitkultur“: Die Künstler im Bereich der Rock- und Popmusik in Deutschland haben nur dann eine wirkliche Chance, sich in diesem Kulturbereich demokratisch zu organisieren, wenn sie eine „Streitkultur“ entwickeln, in der sie über Pro- und Contra Argumente und Gegenargumente inhaltlich und sachlich austauschen.

Wenn ein engagierter Musiker aus Hamburg sich in jahrelanger Arbeit die Mühe macht, Musikerinitiativen in Deutschland umfassend und transparent zu katalogisieren und in dieser Recherche im wesentlichen lediglich die Antworten dieser befragten Initiativen selbst (über Fragebögen) veröffentlicht, dann sollte man doch auf einen derartigen Recherchebericht nicht mit einem militantem Vokabular antworten.

2. Transparenz/Öffentlichkeit: Vereine und Verbände im Kulturbereich der Rock- und Popmusik in Deutschland sind keine Geheimbünde und sollten auch nichts zu verbergen haben. Die Rock- und PopmusikerInnen in diesem Land sollten die Chance haben, anhand von öffentlich zugänglichen Fakten und Unterlagen selbst zu entscheiden, von wem sie sich organisieren lassen wollen bzw. welchen Verein oder Verband sie beitreten. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Rock (B.A. Rock), die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen e.V., wie auch die anderen Landesarbeitsgemeinschaften (L.A. Rock) haben es in den letzten zehn bis zwölf Jahren unterlassen, ihre Jahresbilanzen, Versammlungsprotokolle und genauen Wahlergebnisse allgemein und für jeden zugänglich zu veröffentlichen. Wir finden, dass die Künstlerinnen und Künstler in diesem Kulturbereich ein Recht darauf haben, zu erfahren, von welchen Firmen und Institutionen die B.A. Rock und die ihr untergliederten Landesorganisationen Spenden und Zuwendungen erhalten (Sponsoring), weil nur so transparent und deutlich wird, ob lediglich Kunst und Kultur gefördert oder aber „Wohlverhalten“ finanziert wird. Der Deutsche Rock- und Popmusikerverband veröffentlicht im Gegensatz seit Jahren bundesweit und für jeden zugänglich im MUSIKER-Magazin und Rundschreiben Jahresbilanzen, Wahlaufrufe und Wahlergebnisse.

3. Demokratische Strukturen im Kulturbereich der Rock- und Popmusiker: Die Bundesarbeitsgemeinschaft Rock (B.A. Rock) behauptet schon seit Jahren, über die ihr untergliederten Landesverbände über 16.000 Rock- und PopmusikerInnen bundesweit zu vertreten. Wenn dann an den Bundeswahlen zum Bundesvorstand dieser Organisationen nur 17 Personen teilnehmen, und diese dann mangels Teilnehmer sich untereinander in einer seit Jahren durchgeführten Vorstandswahl immer wieder gegenseitig wählen, dann wirft dies Fragen auf. Wenn man dann in die Satzung von B.A. Rock schaut und sieht, dass das repräsentierte Heer dieser angeblichen 16.000 repräsentierten MusikerInnen zu 99 Prozent praktisch keine Chance haben, an diesen Bundeswahlen teilzunehmen, weil die Organisationsstruktur der B.A. Rock dies nicht zulässt, dann wirft auch das Fragen auf. So wird in Bayern seit nunmehr zehn Jahren von der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Musikinitiativen (ABMI (Bayerischer Landesverband der B.A. Rock)) ein Vorstand gewählt, der dann Bernd Schweinar in eine vom Staat gut bezahlte Geschäftsführerstelle einsetzt. Nun nimmt nicht etwa der erste Vorsitzende von der ABMI an den Bundeswahlen des übergeordneten Bundesverbandes (B.A. Rock) teil, sondern seltsamerweise der Geschäftsführer. Und der lässt sich dann dort, von anderen im Land ungewählten Geschäftsführern, zum Vorsitzenden der B.A. Rock wählen.

4. Bayerischer Rockintendant/Bayerische Rockintendanz: Ich nehme zur Kenntnis, das du dich in Bayern 1992 nicht selbst zum „Bayerischen Rockintendanten“ ernannt hast, sondern dass deine beiden damaligen Freunde Rick Roth aus Nürnberg und Hans Ernst aus Amberg, wie du schreibst, die Verursacher dieser staatstragenden Ernennung gewesen sind bzw. dich zum Bayerischen Rockintendanten einer Bayerischen Rockintendanz ernannt haben. Unser Appell an euch: Verzichtet auf erfundene „staatstragende Titel“ bzw. Titelanmassungen (Hauptmann von Köpenick und Konsul Weyer lassen grüssen). Damit täuscht ihr letztendlich die Öffentlichkeit und Institutionen in diesem Land mit dem wahrscheinlichen Ziel, größeren und „staatstragenden“ Eindruck zu schinden, um besser an Fördermittel zu gelangen. Die Rock- und Popmusikerinnen und Musiker in Deutschland haben es nicht nötig, mit derartigen hausgemachten Titeln bei Ämtern, Behörden und Sponsoren hausieren zu gehen.

5. Verlangt nicht von den staatlichen Institutionen, dass sie euch alimentieren, d. h. vollständig bzw. fast vollständig für eure Gehälter und Bürokosten aufkommen. Die Rock- und Popmusikerinnen und Musiker in Deutschland haben die selbstverständliche Verpflichtung, bei Selbstorganisationen in Vereinen und Verbänden ihren Teil zur Finanzierung dieser Ausgaben über Mitgliederbeiträge beizutragen. Diese Feststellung gilt auch für ABMI- und die B.A. Rock!

6. Prinzip Ehrlichkeit: Veröffentlicht in Zukunft im Internet und in euren Publikationen keine getürkten Mitgliederzahlen bzw. Mitgliederstärken. Wenn von 96 in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen im Internet und anderswo augenblicklich aktuell aufgeführten Mitgliedervereinen tatsächlich 22 Vereine nach eigenen Angaben nicht mehr existieren, weil sie sich längst aufgelöst haben, und lediglich 37 der genannten Vereine/Initiativen im eigentlichen Sinne und in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Musik- und Musikerinitiativen sind, dann wirft auch dies kein gutes Licht auf Eure Ehrlichkeit und Integrität.

7. demokratische Wahlen: In allen Kulturvereinen/Verbänden in Deutschland gibt es das Problem, dass nur außerordentlich wenig Vereinsmitglieder an Wahlen und Mitgliederversammlungen teilnehmen. So weist die Gema ca. 1.900 wahlberechtigte ordentliche Komponisten in der Komponisten-Kurie aus. Von denen nahmen bei der letzten Aufsichtsratswahl in der Gema-Mitgliederversammlung lediglich 217 – ca. 30 Delegierte = ca. 187 wahlberechtigte Komponisten teil, von denen wiederum lediglich nur 115 den später durch den Aufsichtsrat bestimmten Aufsichtsratsvorsitzenden wählten. (ca. 9,8 % aller wahlberechtigten Komponisten) Im Deutschen Rock- & Popmusikerverband ist dies ähnlich: Von ca. 4000 Mitgliedern sind ca. 3000 stimmberechtigt. Von diesen 3.000 stimmberechtigten Mitgliedern nahmen in 2001 lediglich 310 Mitglieder an den bundesweiten Wahlen teil. Von diesen wiederum wählten 287 den Vorsitzenden, 20 enthielten sich der Stimme und 3 Mitglieder stimmten mit nein. Damit haben im DRMV 10,33 % aller stimmberechtigten Mitglieder an den bundesweiten Wahlen teilgenommen. Im Gegensatz zu anderen Verbänden in Deutschland, bei denen die Wahlbeteiligung oft zwischen 1-5 % tangiert, keine zufriedenstellende, aber immerhin bessere Wahlbeteiligung.

Leider warst Du in diesen 13 Jahren niemals bereit, Dich Deinen bayerischen Musikerinnen und Musikern selbst zur Wahl zur stellen. Und: täuschender Weise maßt Du Dir als Geschäftsführer einer bayernweiten Musiker-Initiative/ Musikinitiative den Titel eines „Bayerischen Rockintendanten“ einer „Bayerischen Rockintendanz“ an, wohl wissend, dass der übergroße Teil aller bayerischen Musiker nicht weiß, dass Du Dir diesen Schein-Titel 1991 gemeinsam mit Deinen damaligen Kumpels selbst erfunden und zugelegt hast. Seitdem firmierst Du bei allen Bundes- und Landesbehörden, dem Deutschen Musikrat und Verbänden unter diesem frei erfundenen eindrucksvollen staatstragenden Titel. Das grenzt an Hochstapelei und Titelanmaßung. Als ehemaliger angestellter Fuhrunternehmer aus Teugen (Bayerischer Wald) mit Realschulabschluss solltest Du diesen täuschenden Schein-Titel ablegen. (s. §132 a Strafgesetzbuch Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen)

Peinlich ist im übrigen auch, dass von über 100 in der BA-Rock im Internet genannten Mitglieds-Initiativen, die unglaubliche 16.000 Musikerinnen und Musiker in Deutschland repräsentieren sollen, nach einer bundesweiten schriftlichen Umfrage in Wirklichkeit nur noch um die 40 Initiativen nach eigenen Angaben existieren. Auch hier stellt sich die Frage der Hochstapelei.

Ole Seelenmeyer (DRMV Sprecher)

 

Ole Seelenmeyer

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