Rock- und Popmusik in Deutschland/GEMA „Pro“

Die Zerstörung einer Musikkultur

Teil 1

In Deutschland gibt es nach Berechnungen zwischen 40 und 60.000 Musikgruppen aller musikstilistischen Bereiche der Rock- und Popmusik. Ca. 60 % von ihnen rechnet man dem Bereich der Amateurmusiker zu. 35% dem Bereich der semiprofessionellen Bands und nur ca. 5% dem Bereich der professionellen Gruppen, also den Musikgruppen, die ausschließlich von ihrer Musik ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Das große Heer der Amateur- und semiprofessionellen Musikgruppen legen ihre Hauptaktivität in Livekonzerte, d.h. versuchen möglichst oft zu möglichst guten Gagen in Clubs, Jugendzentren, Stadtfesten und Openair-Veranstaltungen aufzutreten. Der Auftrittsradius dieser großen Mehrheit der ca. 50.000 Musikgruppen in Deutschland liegt vor allen Dingen in ihrem Wohnort, ihrer Region und im Umkreis um ihren Wohnort von ca. 100 ? 150 km. Dem entgegen sind es vor allem die professionell arbeitenden Rock- und Popmusikgruppen, die entweder überall in Deutschland in Einzelkonzerten oder eben auf jährlichen Tourneen in den verschiedenen Bundesländern spielen.

Als die GEMA vor zwei bis drei Jahren bundesweit und ohne Beschluß der Mitgliederversammlung eine Verteilungsplanänderung mit der Einführung eines sogenannten Hochrechnungsverfahrens (Pro) einführte, ahnten nur ganz wenige, welche kulturzerstörenden Auswirkungen diese von Vorstand und Aufsichtsrat gegen den Willen der großen Mehrheit der 1999 tagenden Komponistenkurie nach sich ziehen würde. Dieses neue Pro-Verfahren hat von der Mehrheit der Betroffenen aber auch von fast allen Kulturpolitikern unbemerkt tatsächlich zur Folge, daß zahllose Musikgruppen, Bands und Einzelinterpreten aus dem Bereich der Rock- und Popmusik, wenn sie Mitglied in der GEMA sind und auf ihren selbst veranstalteten Konzerten in einer Bezirksdirektion der GEMA ausschließlich ihre eigenen Titel spielen, enorm überhöhte Zahlungen an die GEMA entrichten müssen und nur einen überaus geringen Betrag der ihnen eigentlich zustehenden Gelder bei der jährlichen Ausschüttung wieder zurückerhalten.

Damit trägt die GEMA unmittelbar die Verantwortung dafür, daß immer mehr Rock- und Popmusikgruppen und Einzelinterpreten nach derartigen Zahlungserfahrungen demotiviert werden, ihre selbst komponierten und getexteten Songs in eigenen und selbst organisierten Konzerten aufzuführen oder eben der einzigen Inkassoorganisation für Urhebertantiemen im Musikbereich in Deutschland, der GEMA, beizutreten.

Weil erschreckend wenig Betroffene und kulturpolitisch verantwortliche Musikerinnen und Musiker, Kulturpolitiker, Patentrechtler aber auch Richter von den direkten Auswirkungen dieses ohne Beschluß der Mitgliederversammlung von den GEMA-Verantwortlichen durchgesetzten „Pro-Verfahrens“ Kenntnis haben, soll hier an dieser Stelle noch einmal klar und deutlich in Einzelfallbeispielen die Auswirkungen des „Pro-Verfahrens“ erläutert werden:

FALL 1:
Eine im Hamburger Raum bekannte Musikgruppe „The Soulmates“ veranstaltet in einem mittelgroßen Liveclub in Hamburg ein Rockkonzert, um ihre neuproduzierte CD dem Publikum vorzustellen. Die Band hat diesen Club für diese Release-Konzertveranstaltung selbst angemietet und verlangt an der Kasse Euro 6,- Eintritt. Der Konzertabend wird ein großer Erfolg, ca. 300 Freunde und Fans der Band feierten mit den Musikern bis spät in die Nacht. Im Verlauf des Abends spielen „The Soulmates“ 30 eigene Songs, die alle bei der GEMA registriert sind. Selbstverständlich meldete die Band dieses Konzert vorher bei der GEMA an und erhält daraufhin eine Rechnung in Höhe von Euro 231,92 (Konzertsaal bis 400m2/ 6,- Euro Eintritt). Die „Soulmates“ bezahlten diesen Betrag umgehend und sind sich sicher, daß Sie am Jahresende bei der Abrechnung, da sie ja ihre eigenen Songs aufgeführt haben (und nicht Fremd/Coversongs), diesen eingezahlten Betrag minus 10 % Kultur- und Sozialabgabe und minus 25% Bearbeitungsgebühr zurück erhalten würden. Demnach müßte die Band eigentlich 150,20 Euro von der GEMA für dieses Eigenkonzert zurückerhalten. Seltsamerweise erhält die Band aber eine Ausschüttung von lediglich 88,50 Euro.

Ist schon eine Bearbeitungsgebühr von 25% und eine 10%ige Abgabe für kulturelle und soziale Zwecke nur schwer zu ertragen, so muß sich die GEMA an dieser Stelle die Frage gefallen lassen, wo denn der zusätzliche Minusbetrag für die geblieben ist. Hier zeigt sich, daß die GEMA von dieser Rockband mehr Gelder einbehalten hat, als lediglich ihre 25 %ige Bearbeitungsgebühr und 10%ige Abgabe für kulturelle und soziale Zwecke.

Fall 2:
Ein ebenfalls im Hamburger Raum bekannter Rockinterpret konzertiert nach 20jähriger Profilaufbahn nur noch einige wenige Male in Hamburg und Umgebung und meldet bei der GEMA ein Eigenkonzert in einem bekannten Hamburger Großclub an (10,- Euro Eintritt, Saalgröße ca. 1300 m2). Auch er stellt auf diesem Konzertabend zum ersten Mal seine neue CD-Produktion vor und spielt am Gesamtkonzertabend ca. 30 Songs. Nach einiger Zeit erhält er von der GEMA eine Inkassorechnung über 572,70 Euro (ca. 1200,- DM) und das, obwohl er nachgewiesenermaßen auf diesem Konzertabend nur seine eigenen Werke vorgestellt hat. Murrend bezahlt er diesen hohen Betrag, hoffend, daß er zum Jahresende als Selbstaufführer diese Zahlung von der GEMA zurück erhält. Doch als er am Jahresende die detaillierte GEMA-Abrechnung erhält, fällt dieser Rockmusiker aus allen Wolken, denn die GEMA schüttet ihm tatsächlich ebenfalls nur 88,50 Euro aus, d.h. sie zieht von diesem Kollegen für seine selbst aufgeführten Songs den völlig indiskutablen Betrag von 484,20 Euro ab.

Fall 3:
Eine in Burgdorf bei Hannover wohnende Country-Band, die inzwischen aus lauter Veteranen besteht, will es noch einmal wissen: Sie veranstaltet ein Jubiliäumskonzert, um ihren immer noch großen Fankreisen zu zeigen, wie hervorragend sie trotz ihres Alters noch zusammen spielt. Die Musiker mieten sich das große örtliche Schützenhaus an (bis 2.000 m2 Konzertfläche), und spielen ausschließlich ihre eigenen Songs. Die Gruppe erhält nach einiger Zeit von der GEMA eine Rechnung über 775,94 Euro, Nach Jahresabschluß zahlt die GEMA lediglich einen Ausschüttungsbetrag von ebenfalls 88,50 Euro aus. Hier behält die GEMA den ungewöhnlich hohen Betrag von 687,44 Euro ein, obwohl sie eigentlich nur ca. 271,57 Euro Bearbeitungsgebühr und Kulturprozente einbehalten dürfte.

Fall 4:
Grotesk fällt folgender uns im Deutschen Rock- & Pop Musikerverband geschilderter Fall aus: Eine Popgruppe aus Dresden konzertiert in zehn verschiedenen Monaten in Sachsen auf sogenannten Ostalgie-Konzerten und stellt dort ebenfalls ausschließlich die Songs ihrer eigenen CD-Produktionen vor. (Pro Abend ebenfalls ca. 30 Songs). Das Resultat ist erschreckend: Die Band zahlt an die GEMA ein Inkasso von 229,26 Euro pro Konzert, für zehn Konzerte also 2.292,60 Euro und erhält davon insgesamt lediglich 265,80 Euro als Ausschüttung zurück. Die GEMA behält also einen Minusbetrag für die Urheber in Höhe von 2.026,80 Euro ein und zwar deshalb, weil diese Band als typische Ostalgie-Sachsenband ausschließlich in Sachsen und nicht etwa in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Schleswig-Holstein und anderen Bundesländern zusätzlich auftritt .

Fall 5:
Hier der Fall eines in Deutschland durchaus bekannten Rockmusikers, der im Gleichklang zu seiner herbstlichen CD-Veröffentlichung in den Monaten Oktober und November 20 Tourneekonzerte durchführte (zehn verschiedene Bezirksdirektionen im Oktober, zehn verschiedene Bezirksdirektionen im November). Für jedes Konzert muß der Rockstar 572,70 Euro pro Konzert an die GEMA zahlen, da er für seine Konzerttournee mittelgroße Säle bis 1.200 m2 beim Eintritt von 10,- Euro vorgesehen hatte. Für diese 20 Konzerte zahlte dieser Selbstaufführer seiner selbstkomponierten Songs insgesamt 11.454,- Euro an die GEMA. Als dann zum Jahresende die Abrechnung eintrifft, dachte er zuerst, daß es sich um einen Irrtum handeln würde. Er erhält tatsächlich sage und schreibe lediglich 709,02 Euro erstattet, was soviel heißt, daß für diesen Urheber ein Minusbetrag in Höhe von 10.744,80 Euro entstanden war, den die GEMA für sich kassiert.

Dem Aufsichtsrat und dem GEMA-Vorstand müssen diese hier geschilderten grotesken Zustände bekannt sein. Durch das neue von der GEMA ohne Beschluß der Mitgliederversammlung eingeführte PRO-Verfahren werden in Wahrheit Tausende von selbstaufführenden Musikgruppen und Interpreten aus allen stilistischen Bereichen in z.T. dramatisch überhöhter Weise zur Kasse gebeten, gleich ob Rock, Pop, Country, Folk, HipHop, Punk oder Hard & Heavy.

Wo aber bleiben diese unberechtigt kassierten fünf- bis sechsstelligen Millionenbeträge? Die Konstruktion des PRO-Verfahrens begünstigt vor allen Dingen die Songschreiber, deren Schlager und Evergreens immer mal wieder in den verschiedensten Bundesländern von irgendwelchen Tanz- oder Galabands, Hoteltrios oder Interpreten gespielt werden. Auf diese Schlagerkomponisten und Texter werden letztendlich diese Beträge via „Pro“-Verfahren umgeschichtet.

Und wenn jetzt jemand kommt und sagt, selbst Schuld: All diese in die Zehntausende gehenden und von der GEMA abkassierten Rock- und Popbands und Interpreten hätten ja eigentlich allesamt die Direktverrechnungen bei der GEMA beantragen können, dann sei diesen Personen gesagt, daß auf Grund der restriktiven Informationspolitik der GEMA und dem überaus komplizierten GEMA-Verteilungsplan die musikbegeisterten Jugendlichen in Deutschland – aber auch die älteren erfahrenen Musikerkollegen – in Wirklichkeit keine Chance haben eine gerechte Tantiemeausschüttung zu erhalten, weil sie von einer Direktverrechnung zum einen nichts wissen und zum anderen die Direktverrechnung in der Praxis nur unter eingeschränkten Vorraussetzungen und bürokratischem Mehraufwand erhältlich ist.

Schluß: Es drängt sich bei allen Beteiligten der Eindruck auf, daß die GEMA die Möglichkeit und die Voraussetzungen der „Direktverrechnung“, bei der die konzertierenden Künstler und Musikgruppen ca. 65% ihrer an die GEMA gezahlten Gelder bei der Jahresabrechnung zurückerhalten würden, vor den musikbegeisterten Jugendlichen in Deutschland geheimhalten, um eben ihre „Pro-Kasseneinnahmen“ zu vergrößern. Die GEMA muß sich an dieser Stelle die Frage gefallen lassen, warum sie in ihren Publikationen – in ihren Zeitschriften und Rundbriefen nicht regelmäßig auf die Möglichkeit der Direktverrechnung hinweist. Eine Veröffentlichung zu diesem Thema ist bisher in diesen Publikationen weitgehend unterlassen worden! Der Bedingungsrahmen ist ohnehin erheblich: Ggf. Pauschalinkasso (keine Einzelverrechnung möglich), prozentuale Abwägung, Unterschriften aller Rechteinhaber, Antrag nur bis 3 Monate nach jeder Veranstaltung möglich usw. Je Antrag wäre folglich ein erheblicher Aufwand zu leisten. Muss die GEMA da nicht fürchten, dass also informierte Newcomer als Musikerautoren sich den Eintritt in die GEMA zehnmal überlegen werden? Oder dass gar Austritte von angeschlossenen GEMA-Mitgliedern zu erwarten wären?

Zum Schluß dieses Artikels soll ein Leserbrief eines Musikers die Situation aus der Praxis der Direktverrechnung verdeutlichen.

Zitat: „Mit der letzten Abrechnung (aus U/M/UD) habe ich einen Ausschüttungsbetrag in Höhe von 42,34 Euro für fünf Direktverrechnungen aus 2001 bekommen, das ist ein Ausschüttungsbetrag von 8,47 Euro pro Veranstaltung (davon zwei Großveranstaltungen ohne Eintritt). Für 1998 hatte ich trotz des schon an sich schlechten Pro-Verfahrens einen Ausschüttungsbetrag in Höhe von 69,39 DM pro Veranstaltung durchschnittlich erhalten.

Für 1999 hatte ich (wegen einiger Großveranstaltungen) im Pro-Verfahren sogar einen Ausschüttungsbetrag von durchschnittlich DM 137,09 pro Veranstaltung erhalten.

Es drängt sich also für mich der Verdacht auf, daß die Veranstalter, die wir im letzten Jahr für eine Direktverrechnung überzeugen konnten, sehr „bevorzugt“ von der GEMA behandelt werden. Vielleicht ist das der Weg der GEMA, die Komponisten und Texter, die ihre Werke live vortragen, vom Pfad der Direktverrechnung wieder abzubringen nach dem Motto „das lohnt sich ja eh nicht“.

Klaus N. (NRW)

Wir bitten alle betroffenen Musikerinnen und Musiker uns in Sachen Pro/GEMA zu informieren.

Bemerkungen zum GEMA-Artikel
Die Zerstörung einer Musikkultur

Wie zwischenzeitlich bekannt sein dürfte, organisierte der Deutsche Rock- und Popmusikerverband e.V. gegen die GEMA wegen des „Pro-Verfahrens“ eine Sammelklage. Es wurde dafür ein Betroffener ausgewählt, der auf Grund seiner Mittellosigkeit Prozeßkostenhilfe beantragen konnte. Das Berliner Landgericht hatte daraufhin in 2001 entschieden, daß das Pro-Verfahren rechtsgültig eingeführt wurde. Dagegen legte der Rechtsanwalt dieser Klagegemeinschaft Widerspruch vor dem Berliner Kammergericht ein. Auch dieses Gericht kam jetzt zu dem Schluß, daß das „Pro-Verfahren“ rechtsgültig eingeführt wurde und bestätigte damit das Urteil des Berliner Landgerichtes.

Welche tatsächlichen Folgen das Pro-Verfahren für einen Großteil der Rock- und Popmusikgruppen und Interpreten in Deutschland in der Praxis hat, wird aus vorgenannten Beispielen ersichtlich. Mit Sicherheit sind diese Auswirkungen des Pro-Verfahrens den entscheidenden Richtern im Land- und Kammergericht nicht bekannt.

Der Deutsche Rock- und Popmusikerverband e.V. wird über die Entscheidungsgründe des Berliner Kammergerichtes in der nächsten Ausgabe berichten.

Der Deutsche Rock- und Popmusikerverband übergab die hier angeführten Pro-Fallbeispiele der GEMA mit der Bitte, diese Vorveröffentlichung zu überprüfen. Diese Prüfung der GEMA hatte zum Ergebnis, daß die anhand des Pro-Berechnungsverfahrens errechneten Beträge (Inkasso/Ausschüttung) weitgehendrichtig berechnet wurden. Da, wo die GEMA andere Beträge errechnete, wurden von unserer Seite Korrekturen vorgenommen.
v Folgende grundsätzlichen Bemerkungen schickte uns die GEMA zu diesen Fallbeispielen zu:

1. Ein Zusammenhang zwischen der vom Veranstalter entrichteten Vergütung und der Ausschüttung an den Berechtigten besteht nur nach Vorschriften von Abschnitt 13 des Verteilungsplanes. Im Übrigen gibt es keinen Zusammenhang zwischen Einnahmen und Ausschüttungen der Sparte U. Hierzu: Verwaltungstechnisch/juristisch mag dies stimmen. Diese Bemerkungen spielen aber für das große Heer der Rock- und Popmusiker/Bands in Deutschland keine Rolle. Entscheidend ist, was gezahlt wird und letztendlich wieder an die Songschreiber zurückfließt. Alles andere ist Makulatur.

2. Die GEMA verweist hier auf die Möglichkeit der Nettoeinzelverrechnungen, d.h. all die hier in den Fallbeispielen aufgeführten Musikgruppen/Interpreten hätten der GEMA einen Antrag auf Direktverrechnungen stellen können, bei der sie bis zu 65 % ihrer eingezahlten Beträge wieder zurückerhielten. Zu diesem Thema haben wir uns im vorliegenden Artikel geäußert.

3. Die GEMA ist der Auffassung, daß alle fünf Beispiele von Voraussetzungen ausgehen, die in der Aufführungspraxis so nicht vorkommen. Die GEMA schreibt: „Treten Interpreten in relativ großen Sälen gegen Eintrittsgeld auf, was zu relativ hohen GEMA-Inkassobeträgen führt, so ist es schlichtweg undenkbar, daß dort Repertoire gespielt wird, daß während des gesamten übrigen Jahres und im Bereich anderer Bezirksdirektionen während des gesamten Geschäftsjahres überhaupt nicht aufgeführt wird.“ Hierzu: Die GEMA übersieht hierbei, daß das übergroße Heer der Rock- und Popmusikgruppen in Deutschland größten Wert auf Eigenkompositionen legt und nur Coverbands, Tanzkapellen, Countrybands etc, also nur ganz bestimmte andere Bereiche aus der Rock- und Popmusik Fremdkompositionen aufführen. Die GEMA übersieht ebenfalls, daß das große Heer der Rock- und Popmusikgruppen und hier vor allen Dingen im Zwischenbereich der Amateur- und semiprofessionellen Gruppen a) nur im Umkreis ihrer Städte, also in einer Bezirksdirektion auftreten und b) oftmals übers Jahr verteilt nur ganz wenige Einzelauftritte durchführen. Nur halbprofessionelle Musikgruppen im semiprofessionellen Bereich verfügen über einen sehr viel größeren Auftrittsradius mit mehreren Bezirksdirektionen und über wesentlich mehr Konzertauftritte.

4. Die GEMA verweist auf den üblichen Gesamtvertragsrabatt. Hierzu: Das große Heer der Rock- und Popmusikgruppen in Deutschland hat keine Ahnung von Gesamtvertragsrabatten durch den DRMV oder andere Institutionen, kann also auf diese auch nicht zurückgreifen. Ihnen fehlen die Informationen, um diese Möglichkeit zu nutzen.

5. Die GEMA führt weiter aus, daß bei den Berechnungen nicht berücksichtigt wurde, daß bei Livemusikveranstaltungen im U-Bereich häufig mehrere Interpreten auftreten. In solchen Fällen würde bei gleichem Inkasso auch für die durch diese weiteren Interpreten aufgeführten Werke zusätzliche Ausschüttungen erfolgen. Hierzu: Gerade in diesen Fällen kann bei der GEMA oftmals keine Direktverrechnung beantragt werden. Im übrigen gibt es in Deutschland eine große Anzahl von Rock- und Popmusikgruppen, die ihre selbst komponierten Songs allein in eigenen Konzerten oder von Konzertveranstaltern arrangiert aufführen lassen.

6. Selbstverständlich ist in denvom DRMV aufgeführten Beträgen, die die GEMA für sich in den Fallbeispielen einbehält, der ca. 25%ige Kostensatz der GEMA für Verwaltungsaufgaben und der 10%ige Abzug für sozialer und kulturelle Zwecke enthalten.

 

Redaktion

Veröffentlicht von

Der Account der Online-Redaktion von Musiker Online, dem Musiker Magazin und dem DRMV.

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