Milliarden an Musikindustrie – Youtube bleibt Spotify auf den Fersen

Mehr als sieben Milliarden Dollar schüttete Spotify 2021 an die Rechteinhaber in der Musikindustrie aus. Youtube kommt nun auf mehr als sechs Milliarden und soll Spotify schon bald übertrumpfen. Der Vergleich hat allerdings einen Haken.

Stolze 16,9 Milliarden Dollar des Gesamtumsatzes von 25,9 Milliarden Dollar alleine auf dem globalen Markt für Musikaufnahmen (das Verlagsgeschäft also nicht miteingerechnet) stammten 2021 aus dem Streaming. Wie viel Geld von den Diensten jeweils an die Musikindustrie ausgeschüttet wird, lässt sich aber nur in wenigen Fällen herunterbrechen.

Relativ leicht ist es im Falle von Spotify. Der Marktführer ist börsennotiert und informiert so zuverlässig quartalsweise über Umsatz, Nutzerzahlen und weitere Kennwerte. Von hier ist der Beitrag Spotifys nicht schwer zu errechnen. Alle Dienste zahlen rund zwei Drittel ihres Gesamtumsatzes an die Musikindustrie aus.

Diese Summe beinhaltet Lizenzzahlungen für die Rechte an Aufnahmen sowie an den zugrundeliegenden Texten und Kompositionen; auf letztere entfallen grundsätzlich betrachtet rund 20 Prozent, 80 Prozent geht an die Seite der Aufnahme. 2021 schüttete Spotify so mehr als 7 Milliarden Dollar an die verschiedensten Rechteinhaber der auf der Plattform vertretenen mehr als 70 Millionen Songs aus. Die Zahl verbreitete der Dienst Ende März auch auf seiner Daten-Seite „Loud & Clear“. Zahlende Nutzer hatte der schwedische Dienst Ende des zweiten Quartals 188 Millionen.

Apple und Amazon hüllen sich in Schweigen

Fernab von Spotify wird es schon schwieriger. Der kleinere französische Dienst Deezer ist im Juli in Paris an die Börse gegangen, hier gibt es künftig also auch mehr Einblicke. Mit Zahlen zu Apple und Amazon Music halten sich die beiden Tech-Riesen allerdings betont zurück. Die Musikdienste werden primär als Teil des gesamten Ökosystems gesehen. Über einzelne Ausschüttungen schweigt man sich folglich aus, die jüngsten Abonnentenzahlen stammen für Apple Music aus Juni 2019 (mehr als 60 Millionen). Amazon erklärte Anfang 2020 rund 55 Millionen Nutzer zu haben – das im Vergleich zu Spotifys stark eingeschränkte Gratis-Angebot hinzugerechnet.

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Youtube dagegen hat es sich angewöhnt, zumindest über die Ausschüttungen an die Musikindustrie regelmäßig zu berichten. Im September 2021 erklärte die Google-Tochtergesellschaft zudem mehr als 50 Millionen zahlende Youtube Music- und Youtube Premium-Abonnenten zu zählen. Letzteres ist mit 11,99 Euro im Monat zwei Euro teurer als das marktübliche Musik-Abo und ermöglicht auch werbefreies Anschauen von Videos.

Mit Blick auf die Ausschüttungen gab es nun am Dienstagnachmittag deutscher Zeit ein Update: Mehr als 6 Milliarden Dollar waren es in den 12 Monaten von Juli 2021 bis Ende Juni 2022, schrieb Googles Musikchef Lyor Cohen in einem Blogbeitrag. Zwei Milliarden mehr als in den 12 Monaten zuvor. Spotify kam 2020 eigenen Angaben zufolge auf mehr als 5 Milliarden Dollar. Beide haben also rund zwei Milliarden mehr ausgezahlt.

Youtube will bis 2025 mehr auszahlen als Spotify

Bis 2025 soll YouTube den schwedischen Dienst als die größte einzelne Einnahmequelle für die Musikindustrie ablösen, so das von Cohen formulierte Ziel. Der New Yorker kam im Sommer 2016 zu Google. Zuvor hatte er das renommierte Universal Music-Label Def Jam geleitet und später bei Warner Music das gesamte Label-Geschäft des drittgrößten Musikkonzerns der Welt verantwortet. Mit Google als Investor hatte er 2012 zudem das Musikunternehmen 300 Entertainment gegründet, was Warner Ende 2021 für rund 400 Millionen Dollar übernahm.

Auf dem Weg zum ausgegebenen Ziel hat Cohen freilich einen Vorteil gegenüber Spotify, der einen direkten Vergleich schwierig macht. Neben dem Abo-Modell ist da schließlich noch das Video-Portal Youtube selbst, das Nutzer mit Werbeunterbrechung kostenlos nutzen können. „Twin-Engine-Growth-Engine“ nennt Cohen die beiden Einnahmeströme – und wie schon zuvor stammten rund 30 Prozent der 6 Milliarden aus nutzergenerierten Inhalten auf Youtube.

„Größter Hoffnungsträger der Musikindustrie“

Die Zeiten der harten Konfrontation sind zwar vorbei, aber es gibt nach wie vor immer wieder Stimmen aus der Musikindustrie, die eine höhere Beteiligung am riesigen Werbekuchen der Video-Plattform fordern. 2021 belief sich der Umsatz mit Anzeigen auf 28,8 Milliarden Dollar, nach 19,8 Milliarden in 2020. Mit Blick auf Rufe nach einen höheren Anteil für die Musikbranche sagte Cohen vor gut einem Jahr im Gespräch mit der F.A.Z. schlicht: „Das bedeutet nur, dass wir als Musikindustrie noch bessere Arbeit machen und noch mehr Fans auf Youtube bringen müssen.“

An Selbstbewusstsein mangelt es ihm dahingehend jedenfalls nicht: „Es gab eine Zeit, in der wir der meistgefürchtete Player überhaupt waren und jetzt sieht uns die Industrie als größten Hoffnungsträger“, sagte er im September 2021. Die Zeit, die Nutzer auf der Videoplattform mit dem Ansehen von Musik-Inhalten verbrachten, habe im Jahresvergleich zugelegt, schreibt er im aktuellen Blogbeitrag, ohne ins Details zu gehen.

Zudem verweist der Google-Manager auf den hauseigenen Tiktok-Konkurrenten, Shorts. Dieser komme Stand April dieses Jahres nunmehr aus 1,5 Milliarden monatlich angemeldete Nutzer. Youtube monetarisiere Musik so in allen Formaten, „kurze und lange Videos, Audio-Tracks, Live und weiteres“.

Text: Benjamin Fischer | Quelle: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/youtube-bleibt-spotify-auf-den-fersen-milliarden-an-musikindustrie-18315133.html

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